Das Ingolstädter Kreuztor
Das Kreuztor entstand im 14. Jahrhundert als drittes Stadttor im Zuge des zweiten Stadtmauerrings. Neben dem ersten Feldkirchener Tor ist es das einzige, das den Abbruch aller anderen Ingolstädter Stadttore überstanden hat.
Stadtmauern und Tore gehörten im Mittelalter zu den teuersten und wichtigsten Aufgaben einer Stadt – trotz finanzieller Unterstützung durch den Landesherrn. Das Kreuztor, dessen Grundstein nach einer steinernen Inschrift 1385 gelegt wurde, blieb deshalb stets im Eigentum der Stadt und ihrer Bürger.
Der Name des Baumeisters ist unbekannt. Die architektonische Qualität des Bauwerks spricht bis heute für sich: Ohne Übertreibung zählt das Kreuztor zu den schönsten und malerischsten Stadttoren Deutschlands.
Über einem quadratischen Unterbau erhebt sich ein achteckiger Turmaufsatz, eingefasst von vier Ecktürmchen, bekrönt von Zinnen und einem steilen Turmhelm. Ein zwingerartiger Vorbau mit zwei Rundtürmen verstärkt den wehrhaften Eindruck. Der Bauschmuck ist bewusst zurückhaltend: ein Spitzbogenfries, das bayerische Rautenwappen an der Außenseite, das Stadtwappen auf der Innenseite.
Ursprünglich war das Tor verputzt. Der Putz schützte das weiche Ziegelmauerwerk und verhinderte zugleich, dass Angreifer die bauliche Struktur der Verteidigungsanlage erkennen konnten. Bei der Generalsanierung der 1960er Jahre entfernte man die letzten Putzreste – im Sinne eines romantisierenden Backsteinbildes des 19. Jahrhunderts, das das Kreuztor zum Wahrzeichen Ingolstadts werden ließ.
Seinen Namen verdankt das Kreuztor dem ehemaligen Aussätzigenhaus mit der Kirche zum Heiligen Kreuz, das westlich vor der Stadt lag. Der davorliegende Stadtgraben wurde im 19. Jahrhundert aufgefüllt. Dadurch versank der untere Torbereich im Boden – und das Tor verlor einen Teil seiner ursprünglich hoch aufragenden, eleganten Wirkung. Künstler wie Carl Spitzweg hielten den ursprünglichen Zustand fest; auch ein Fresko im Sängersaal von Schloss Neuschwanstein zeigt das Kreuztor im Hintergrund.
Als Wachtor und Zollstation war das Kreuztor jahrhundertelang ein Ort der Kontrolle. Hier wurden Papiere geprüft, Abgaben erhoben und Waren verzollt – Salz, Wein, Eisen oder Holz. Selbst der Zustand der Straßen wurde mit einem eigenen Pflasterzoll finanziert.
An diese Geschichte erinnert der Förderverein Kreuztor bis heute mit einem Augenzwinkern: Alljährlich am Faschingsdienstag wird für wenige Stunden wieder „Maut“ erhoben – freiwillig, versteht sich. In historischen Gewändern bitten Ehrenamtliche um einen kleinen Obolus. Die Reaktion ist meist dieselbe: ein Lächeln – und eine Spende für das Kreuztor, das vielen Ingolstädtern ein Stück Heimat ist.